Thames Water versorgt die meisten Haushalte in London mit Wasser und unterhaelt grosse Teile des Abwassersystems, es ist das wichtigste und groesste Wasserversorgungsunternehmen nicht nur in London sondern im UK.
Das Abwassersystem in London ist ueber die Jahrhunderte mit der Stadt gewachsen und wurde und wird permanent ausgebaut. Die sewers transportieren nicht nur von Menschen benutztes Wasser sondern auch Regenwasser. Das alles zusammen fliesst durch teilweise ueber hundert Jahre alten Tunnels und Roehren Richtung Osten. Good old Gravity. Da die Hoehe ueber dem Meeresspiegel jedoch nicht fuer die volle Laenge ausreicht, wird das Wasser auf dem Weg in pumping stations hochgepumpt, bis es schliesslich ueber den Greenway Beckton erreicht. In Beckton wird geklaert, dann geht's ab zurueck in den Fluss.
Die alten zum grossen Teil im letzten Jahrhundert gebauten pumping stations strotzen nur so von architektonischen Praechtigkeiten, die water companies verdienten damals gutes Geld, und man liess es sich nicht nehmen, ordinaere funktionelle Gebaude fabelhaft auszustatten.

Abbey Mills pumping station gehoert zu diesen schoenen Gebaeuden, die pumping station liegt in West Ham, East London, wurde zwischen 1865 und 1868 gebaut, und obwohl die Pumpen heute automatisch arbeiten und nicht mehr mit Dampf betrieben und nur noch im angeworfen worden, wenn wirklich viel Abwasser anfaellt, passiert hier heute noch genau das, was schon seit 150 Jahren passiert. Abwasser wird hochgepumpt, damit es auf dem langen Weg nach Beckton genug Hoehe erreicht.
Thames Water oeffnet Abbey Mills zur Zeit anscheinend zweimal im Jahr fuer Touren, sogenannte sewer weeks. Und ich hatte das Glueck ueber Sub Brit einen Platz zu ergattern.
Das Programm besteht aus vier Teilen. Zunaechst mal wird gegessen. Kein Scherz, es gab Tee und Kaffee, ein kaltes Buffet, nix besonderes, aber lecker und viel, dazu Getraenke, eine Staerkung kann ja nicht schaden. Solider Einstieg. Dann rief man zum Vortrag. Hm, dachte ich, Abwasser ist vielleicht nicht sooo spannend. Falsch gedacht, Die Geschichte der Wasserversorgung Londons in einer Stunde zu erlaeutern ist nicht nur eine Herausforderung, es stellte sich als aeusserst kurzweilig heraus.
Dann kam die Fuehrung durch die pumping station. Ganz feine Sache, Rundgang um das Gebaeude, Erklaerung der Funktionsweise, die Architektur, die Geschichte, dann dasselbe innen, toll.

Danach Teil vier, der Hoehepunkt sozusagen, man fuhr uns in einem Minibus um die Ecke zur Wick Lane, steckte uns in protective clothing, gab uns eine kurze Einweisung und eine paar Tips ("before you snuggle up with your loved ones tonight, have a shower"), und ab gings ueber eine Eisenleiter nach unten, schoen durch alte Abwasserkanaele latschen.

Der Geruch war okay, es hatte die Wochen davor gut geregnet, ab und zu trat man auf Dinge von denen man lieber nicht wissen wollte, um was es sich handelte, dazu Geschichten und Erklaerungen von den Thames Water guys, klasse, ganz gross.

Danach zurueck zur Oberflaeche, Erinnerungsphotos, Rueckfahrt nach Abbey Mills und Transfer zur Tube Station.
Die Veranstaltung dauert knapp fuenf Stunden, ist professionell organisiert, die guides und Helfer machen ihren Job wirklich gern, das merkt man sofort, es macht einen Riesenspass und ist ausserordentlich spannend und interessant.

Die Touren werden seit Jahren von Thames Water veranstaltet, das ist natuerlich auch Marketing, aber unaufdringlich. Wichtige Kunden werden genauso eingeladen wie members of the public.
Ich weiss aber leider nicht nach welchen Kriterien das geschieht, hier habe ich etwas Info gefunden, wer Interesse hat, kann ja mal nachfragen. Ich kann die Veranstaltung ohne Einschraenkung empfehlen, zumal es keinen Penny kostet.
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